Die Polizeimusik Steiermark entstand im Jahr 2005 nach der Reform der Exekutive in Österreich. Ihre Vorläufer liegen neben der Polizeimusik Graz in der Musikkapelle des Landesgendarmeriekommandos und der Musik der Zollwache. Was die drei Kapellen einte und auch heute noch zentrales Charakteristikum der Polizeimusik Steiermark ist, ist neben der Liebe zur Musik auch eine starke karitative Ader.

Die Vorläufer

Musikkapelle des Landesgendarmeriekommandos

Die Musikkapelle des Landesgendarmeriekommandos wurde 1935 auf Initiative von Oberstleutnant Adolf NADLER gegründet. In Erinnerung an die Begründung des österreichischen Gendarmeriewesens durch Kaiser FRANZ JOSEPH am 8. Juni 1849 wurde der 8. Juni zum Gedenktag der Gendarmerie, an dem gleichzeitig den im Aktivstand verletzten oder gefallenen Gendarmen gedacht werden sollte, ernannt. Aus organisatorischen Gründen wurde der erste Gedenktag in Graz erst am 16. Juni 1935 gefeiert. NADLER, damals zweiter Stellvertreter des Landesgendarmeriekommandanten, gefiel die Idee einer Gendarmeriemusik, die auch zukünftige Gedenktage musikalisch umrahmen konnte. Seiner Idee folgten zahlreiche steirische Gendarmen, sodass im Herbst des gleichen Jahres eine Kapelle mit 49 Musikern unter der Leitung von Georg PETZ ins Leben gerufen werden konnte (vgl. Gebhardt 1997: 276ff).

Der Kärntner Rudolf KUMMERER hatte bereits im Mai 1935 den passenden Defiliermarsch der Bundesgendarmerie, kurz Gendarmerie-Marsch genannt, geschrieben. Seine Geschichte lässt sich hier nachlesen.

Gendarmerie-Marsch, gespielt von der Gendarmeriemusik Niederösterreich
(Quelle: YouTube)

Die Geschichte der steirischen Gendarmeriemusik endet am 28. März 1939 abrupt: Die Musikkapelle wird aufgelöst, die Musikinstrumente, die von den Musikern aus eigenen Mitteln finanzierten Instrumente gingen an die Gaumusik der NDSAP über (vgl. Gebhardt 1997: 314).

Nach Kriegsende war man um die Reaktivierung der Gendarmeriemusik bemüht, scheiterte in den ersten Jahren jedoch daran, die notwendigen Instrumente zu beschaffen. Durch einen Spendenaufruf, dem zahlreiche Gendarmerieangehörige gefolgt waren, konnten die notwendigen finanziellen Mitteln ausgelobt werden, um u.a. Instrumente und Noten anzukaufen. Am 26. Juni 1948 fand die erste Probe statt: 44 Gendarmen, zumeist ehemalige Militärmusiker, die den Weg zur Gendarmerie gefunden hatten, musizierten unter der musikalischen Leitung von Georg PETZ, der nach 1935 wieder als Kapellmeister eingesetzt wurde (vgl. Gebhardt 1997: 367f).

Musikalisch präsentierte sich die Gendarmeriemusik im Zuge des 100-jährigen Gendarmerie-Jubiläums (18. und 19. Juni 1949) am Grazer Opernring erstmals einer breiteren Öffentlichkeit.

Wenngleich sich die finanzielle Situation für viele sicherlich schwierig gestaltete, dachte man bereits früh an die Unterstützung von Gendarmeriekollegen, die sich in Notsituationen befanden: Für sie wurde 1949 der Gendarmerie-Jubiläumsfonds vom Bundesministerium für Inneres ins Leben gerufen. So floss der Reinerlös, den die steirische Gendarmeriemusik nach dem gelungenen Auftakt 1951 beim jährlichen Gendarmerieball, dem musikalischen und sozialen Höhepunkt im Jahreskreis der Kapelle, erzielen konnten in den Wohltätigkeitsfonds (vgl. Gebhart 1997: 368ff).

Bis zur Überführung der Musikkapelle des Landesgendarmeriekommandos in die Polizeimusik Steiermark trugen die Musikerinnen und Musiker ihre musikalischen Grüße weit über die steirischen Grenzen hinaus vor. Wie in dieser Zeit üblich konservierten Tonträgeraufnahmen die Geschichte der Musikkapelle (z.B. 150 Jahre Gendarmerie für Österreich, 40 Jahre Gendarmerie Musik Steiermark mit dem Exekutivmarsch, aus der Feder von Heribert Raich und Kapellmeister Franz Kicker, Zum 1. Internationalen Blasmusikfestival in Bruck/Mur, Sepp Raich präsentiert internationale Blasmusik, Musik verbindet).

Ein Blick ins Fotoarchiv der österreichischen Gendarmerie bietet das österreichische Bundesheer auf seiner Webseite.

Quelle:
Adler Musikverlag: Tonträgerkatalog 2011.
Gebhardt, Helmut (1997): Die Gendarmerie in der Steiermark von 1850 bis heute. Graz: Leykam.

Polizeimusik Graz

Die Polizeimusik Graz wurde 1920 [1] von Josef HEXMANN gegründet, der die musikalischen Geschicke der Musikkapelle bis in die 1950er-Jahre lenkte. Er wurde von Alfred KREUZMANN abgelöst, der aus dem von HEXMANN anfangs aus 25 Musikern aufgebauten Blasorchester ein – zu dieser Zeit sehr beliebtes – klassisches Ballorchester schuf.

Eine hohe Bekanntheit erspielte sich die Polizeimusik Graz beim Strauß-Lanner-Walzerabend, wie der Ball der Polizeisportvereinigung Graz (PSV Graz) in den Anfangsjahren hieß. Am 16. Februar 1953 fand der erste Ball statt, damals noch gemeinsam von der PSV Graz und der Polizeimusik Graz organisiert. KREUZMANN dirigierte seine Musiker dabei mit der Geige, wie einst Johann STRAUSS. (Vgl. Polizeisportvereinigung Graz 2007)

Auf Kreuzmann folgte 1984 Josef MALLI, der den Ball der PSV Graz mit der Big-Band-Formation der Polizeimusik Graz weiterhin musikalisch umrahmte, eine Tradition, die die Big Band der Polizeimusik Steiermark unter Christoph GRILL bis heute fortführt.

Ende der 1990er-Jahre folgten auf MALLI Gerhard STEFANZL und Johann PLODER, die die musikalischen Belange bis zur Reform der Exekutive im Jahre 2005 verantworteten.

Zu den Höhepunkten der Polizeimusik Graz gehörten sicherlich die Aufnahme der Langspielplatte 200 Jahre Grazer Polizei, auf der nicht nur das Blasorchester, sondern auch die Big Band und das Bläserensemble zu hören sind. Die Polizeimusik unter der Leitung von Josef MALLI spielt unter anderem den Marsch Gruß an Graz nach einem Manuskript des Gründers der Polizeimusik Josef HEXMANN sowie den Grazer Polizeimarsch aus der Feder von Franz CIBULKA. Im Jahr 1995 wurde, ebenfalls unter der Leitung von Josef MALLI, eine CD mit dem Titel Music 2000 aufgenommen, auf der auch die von MALLI komponierte Fanfare und Intrade zu hören ist. Darüber hinaus wirkte man an unzähligen CD-Aufnahmen mit (u.a. 150 Jahre Gendarmerie für Österreich).

Quellen:
Adler Musikverlag: Tonträgerkatalog 2011.
Polizeisportvereinigung Graz (2017): Jahrbuch 2017, Munderfing: Aumayer, S. 100-101.
Schubert, Ingrid (2008): Art. „Graz‟, in: Oesterreichisches Musiklexikon online.
Ulrich, Maximilian (2009): „Musik liegt in der Luft“, in: IPA (Hg.): 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark, 21.-24. Mai 2009, Graz, Wiener Neustadt: Gutenberg Druck, S. 28-29.

Zollwachmusik Steiermark

Nur wenige Musiker umfasste die Zollwachmusik Steiermark zum Zeitpunkt ihrer Gründung im Jahre 1957, als Waldemar TRUMMER und Alois ZATREPALEK sich in den Reihen der Zollwache auf die Suche nach Musikern machten. Bereits Anfang 1957 hatte eine kleine Formation beim Zollwachball in Mureck ihr Können unter Beweis gestellt. Der erste öffentliche Auftritt der Zollwachmusik konnte zwei Jahre später, beim Sportfest der Zollwache 1959 in Mureck, erfolgen. 25 Mann umfasste die Marschmusik, schnell jedoch wuchs der Klangkörper, der sich aus Beamten der Zollwache und aus Musikern der Marktmusikkapelle Mureck zusammensetzte, an. (Vgl. Mulzet 2009: 180f.)

1958 war TRUMMER zum Leiter der Sektion Musik im Zollwachsportverein bestellt worden und übte das Amt bis 1984 aus (vgl. Mulzet 2009: 179). Die musikalische Leitung hatte zunächst Emil TURZA und anschließend der Murecker Organist und Musiklehrer Martin ZARFL übernommen. 1961 übernahm Peter ZORN, Stabführer der Militärmusik Steiermark, das Amt, der den von ZARFL eingeschlagenen Weg konzentriert weiterging. Unter seinem Nachfolger Hans JOSEL (1971-1984) konnte sich die Zollwachmusik als konzertanter Klangkörper präsentieren und große musikalische Erfolge erzielen. In den 1980er-Jahren wurden schließlich unter Kapellmeister Harald BENEDIKT, der 1978 auch eine eigene Big Band gegründet hatte, neue musikalische Wege eingeschlagen. Ziel blieb jedoch weiterhin, auch die Tradition der alt-österreichischen Blasmusik zu pflegen. (Vgl. Mulzet 2009: 182f.)

1984 wurde die Zollwachmusik aus dem Zollwachsportverein ausgegliedert und ein eigener Verein Zollwachmusik Steiermark gegründet. Einen weiteren Meilenstein bildete das Jahr 1987, als eine Einstellung des Musikbetriebs im Raum stand und ein knappes Viertel der Musiker den Verein verließ. Auch ein Wechsel des Probenlokals war notwendig. Einen Wendepunkt in der Geschichte der Zollwachmusik Steiermark bildet das Jahr 1995: Innerhalb der Bundesgendarmerie wurde der Grenzdienst errichter, die Hälfte der Zollwachebeamten im Aktivstand, u.a. auch Kapellmeister BENEDIKT und Obmann Hermann SIMMERL wechselten zur Grenzgendarmerie. Ende der 1990er-Jahre bestand die Zollwachmusik deshalb als Zollwachbeamten, Gendarmeriebeamten, Pensionisten und Privatpersonen, die der gemeinsame Wohnort an der österreichisch-slowenischen Grenze verband. Zur Probe traf man sich – in Ermangelung eines eigenen Probenlokals – in der Kaserne, der Liebe zur Musik wegen nahmen die Musiker mitunter sehr lange Anfahrten in Kauf. Bis ins Jahr 2000 konnte der Musikbetrieb jedoch aufrechterhalten werden: letzter großer Auftritt war die Flaggenparade am 25. Oktober 2000 vor dem Rathaus am Grazer Hauptplatz. (Vgl. Mulzet 2009: 191)

47er Regiments-Marsch gespielt von der Zollwachmusik Steiermark
(Quelle: YouTube)

Als Höhepunkte können zahlreiche Auslandsreisen nach Italien (1966), Deutschland (1972), Frankreich (1969, 1976), Ungarn (1982), Jugoslawien (1964) und die Schweiz gesehen werden. Besonders in Erinnerung bleibt das Galakonzert im Brucknerhaus in Linz sowie das Festkonzert in der Wiener Hofburg im Zuge der Feierlichkeiten zum Jubiläum 150 Jahre Zollwache. (Vgl. Mulzet 2009: 181ff)

In Graz wirkten die Musiker im Grazer Opernhaus in Operetten wie der Frühjahrsparade oder dem Zigeunerbaron mit, zahlreiche Rundfunk-, CD- und Schallplattenaufnahmen (z.B. Österreichische Traditionsmärsche) sowie die Mitwirkung auf CD- Aufnahmen (u.a. 150 Jahre Gendarmerie für Österreich oder Steirisches Herz weitere Beispiele finden sich auch auf YouTube) zeugen von ihrer musikalischen Breite. Herauszuheben ist dabei sicherlich die CD Zollwachmusik Steiermark, deren Musikstücke beinahe ausschließlich aus der Feder von Kapellmeister Harald BENEDIKT stammen.

Quellen:
Adler Musikverlag: Tonträgerkatalog 2011.
Mulzet, Friedrich (2009): Zollwache Steiermark. Geschichte, Geschichten und Schicksale von 1830-2004, Sulztal: Zoppelberg.
Ulrich, Maximilian (2009): „Musik liegt in der Luft“, in: IPA (Hg.): 50 Jahre IPA Österreichische Sektion & Landesgruppe Steiermark, 21.-24. Mai 2009, Graz, Wiener Neustadt: Gutenberg Druck, S. 28-29.

Polizeimusik Steiermark

Mit der Strukturreform der Exekutive wurden die Polizeimusik Graz, die Gendarmeriemusik und die Zollwachmusik 2005 zur Polizeimusik Steiermark zusammengefasst. Franz KICKER (Gendarmeriemusik) wurde zum Kapellmeister, Johann PLODER (Polizeimusik) zu seinem Stellvertreter. Mit KICKERS Pensionierung 2008 übernahm PLODER seine Funktion, als sein Stellvertreter wurde der aktuelle Kapellmeister Christoph GRILL eingesetzt, der die Funktion mit 1. Mai 2013.

Die Polizeimusik Steiermark wird als Dienstmusik geführt. Die Musikerinnen und Musiker rekrutieren sich aus den Vorläuferkapellen und versehen ihren Dienst in der Musikeinheit neben den allgemeinen Dienstverpflichtungen u.a. auf den Dienstellen in der gesamten Steiermark, in der Landesleitzentrale, dem Landeskriminalamt, im fremdenpolizeilichen Bereich oder der Verwaltung.

Aktuell besteht der Klangkörper aus knapp 60 Musikerinnen und Musikern, wobei es sich um Beamte im Aktivstand und Ruhestand handelt. Neben den zehn bis 15 Ausrückungen des Gesamtorchesters im Jahr, gilt es vor allem auch polizeiinterne Feierlichkeiten musikalisch zu umrahmen.

Die Polizeimusik Steiermark ist in der Landespolizeidirektion angesiedelt und untersteht dem Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit und Interner Betrieb, der als Musikoffizier fungiert (HR Joachim HUBER BA MA MSc). Geprobt wird wöchentlich in einem eigenen Probenraum am Stützpunkt-West in der Karlauerstraße.

Seit 2016 wird die Polizeimusik Steiermark durch einen gleichnamigen Verein in ihrer Arbeit, v.a. auf ideeller, organisatorischer, materieller und finanzieller Ebene, unterstützt. Als Präsident fungiert Landespolizeidirektor HR Mag. Gerald ORTNER, als Obmann HR Mag. Markus FERSCHLI.

Bisherige Highlights der Polizeimusik Steiermark sind sicherlich die Konzertreisen 2007 nach Rom mit einem Besuch bei Papst BENEDIKT XVI im Petersdom, wo man zum Auszug des Radetzky Marsch spielte sowie eine Konzertreise nach Krakau im Jahr 2011.

Auch die Tradition der Tonträgeraufnahmen wurde von der Polizeimusik Steiermark mit einer CD-Aufnahme unter Franz Kicker fortgesetzt: Sie trägt den Titel Polizeimusik Steiermark und beinhaltet den Konzertmarsch Die neue Polizei aus der von Manfred WIENER und Kapellmeister Franz KICKER.